1993 - VON DER WERRA ZUR SAALE, DAS STEINCHEN STETS IM GEPÄCK

RENNSTEIG

Ein alter Brauch bringt Glück- Die Geschichte, die von den Einheimischen erzählt wird geht so: Man geht in Hörschel, dem Anfangsort des Rennsteigs, an der Kirche vorbei zum Ufer der Werra und nimmt sich dort einen Kieselstein aus dem Flussbett. Der Stein bringt dem Rennsteigwanderer Glück und beschützt ihn. Am Ziel in Blankenstein, wirft man den Stein in die Saale. So haben wir es dann auch gehalten. Mit einem Stein aus der Werra machten wir uns auf den Weg. Das Rad mehr tragend als fahrend, ging es auch gleich 720Hm hinauf zum Inselsberg, der höchsten Erhebung des Thüringer Waldes. Selbst ein kapitaler Tretlagerschaden an Siggis Rad, bedeutete nicht das Aus der Tour - wir hatten ja den Kiesel, aber auch hilfsbereite Thüringer, dank deren Hilfe wir schließlich gemeinsam ans Ziel kamen. Quartier fanden wir mal in einem Eisenbahnerwohnheim oder im Konferenzsaal einer voll belegten Pension. Mehrmals überquerten wir den ehemaligen Todesstreifen, der damals nach 4 Jahren Maueröffnung noch deutlich sichtbar war. Und am Ende der Tour, nach 3 Etappen und 168 Kilometern landete der Kiesel, so wie es der Brauch will, in der Saale. Mit nach Hause genommen haben wir Erinnerungen an hilfsbereite Menschen, prima Wetter, lecker Rostbrätl und eine herrliche Landschaft.

1994 - VON DER LAHNQUELLE ZUR MÜNDUNG

LAHNHÖHENWEG

12 Juni 1994, 9.30 Uhr Forsthaus Lahnhof im Rothaargebirge. Hier begann unsere 5-tägige Tour entlang der Lahn auf dem noch nicht eröffneten Lahnhöhenweg bis nach Lahnstein. Wir wollten die Strecke mit unseren Mountainbikes meistern, denn der Lahnhöhenweg wurde ursprünglich nicht als Radweg konzipiert, sondern als Wanderroute. Deshalb war auch eines unserer Ziele, für ein freundliches Miteinander von Bikern und Wanderer zu werben. Markiert ist der Höhenweg von der Quelle bis nach Wetzlar und auf der Westerwaldseite mit einem weißen “L” auf schwarzem Grund. Und wir hatten den Auftrag erhalten, diese quasi noch frische Markierung auf ihre Tauglichkeit für eine sichere und lückenlose Wegeführung zu testen. Streng genommen hat der Lahnhöhenweg die Bezeichnung “Höhenweg” gar nicht verdient, da man extrem viele Höhenmeter bewältigen muss. Das liegt zum einen daran, dass entlang der Lahn kein zusammenhängendes Gebirge existiert und immer wieder Quertäler viele Höhenmeter kosten, zum anderen, dass Einkehrmöglichkeiten und Etappenziele fast ausnahmslos “unten” an der Lahn liegen. Das tut der überdurchschnittlichen Qualität der Route jedoch keinen Abbruch.

1995 - AUF WANDERWEGEN VON MARBURG ZUM KLOSTER ALTENBERG

ELISABETHPFAD

Als empfehlenswert stufen wir den 1994 von Rainer Brämer und Hermann Michel ausgezeichneten und über 56 Kilometer langen Elisabethpfad ein. Am Firmaneiplatz in Marburg, jenseits des Ostchores der Elisabeth Kirche, startete unsere Tour auf dem mit einem weißen "E" markierten Wanderweg. Wir folgten zunächst der Lahn und genossen schon nach 2 Kilometern im Rückblick Marburg von seiner schönsten Seite. Als wir den Stadtwald erreichten, konnten wir uns bereits ein positives Bild von der Qualität des Wanderweges verschaffen. Richtung Allnatal überquerten wir die Landstraße Niederweimar – Haddamshausen. Vor Oberweimar folgt der Pilgerpfad streckenweise dem früheren "Totenweg" oder "Pfaffensteg", auf dem die Marburger ihre Toten zur Martinskirche, die frühere Mutterkirche von Marburg, bringen mussten. Weiter Richtung Walgerbach und Damm hatten wir aufgrund fehlender Markierungen in der Nähe einer Feldscheune das einzige Mal Orientierungsschwierigkeiten auf dem ansonsten hervorragend ausgeschilderten Wanderweg. Nach 2 Stunden kehrten wir in Damm im Haus des Autors der Wegbeschreibung ein. Über Altenvers geht der Weg nach Weipoltshausen weiter. Dort erwartete uns der Ortsvorsteher Helmut Fink im Heimatmuseum "Goud Stobb". Eine 20minütige Filmvorführung über die Heilige Elisabeth, ließen wir uns genauso wenig entgehen, wie das in Blei gefasste Pilgerzeichen der Landgrafen von Thüringen. Über Kirchvers und Krumbach ging es zum Krumbacher Kreuz mit 810 Metern höchster Punkt des Tages. Durch den Krofdorfer Forst erreichten wir den Dünsberg, mit Resten der mehr als 2000 Jahre alten keltischen Siedlung. Biber war unsere nächste Station. Der Name des Wanderweges ist auf einem Straßenschild zu lesen. Das Schwalbenbachtal führt über mehrere Kilometer vereint, mit dem weißen "L" des Lahnhöhenweges zum Blasbacher Sattel. Gegen 16 Uhr war eine Pause in einem Ausflugslokal am Simberg angesagt, mit Ausblick auf die Schlote und Hochhäuser der Industriestadt Wetzlar. Dann erfolgt der Rückweg in Richtung Hermannstein. Hier erwartete uns auf Teer-, Beton- und Schwarzdecken ein weniger schöner, aber für diese Industrieregion typischer Streckenabschnitt. Nach der letzten Vereinigung mit dem weißen "L" wurden wir bald wieder mit einem weiten Blick über das Lahntal belohnt. Vor der mittelalterlichen Silhouette von Burg Braunfels ragt das spitze Türmchen der Klosterkirche aus der Kulisse hervor. Trotz des schweren Bodens, aber ohne Panne, erreichen wir gegen 17 Uhr das Prämonstratenserinnenkloster Altenberg.

1995 - AUF DEM X9 VON HATZFELD ZUR WARTBURG

WARTBURGPFAD

Im Jahr 1995, damals noch zu dritt, hatten wir uns vorgenommen den in Hatzfeld ganz in unserer Nähe beginnenden X9, den Wartburgpfad abzufahren. Mit 215 km und 4.200 zu bewältigten Höhenmetern sicherlich keine leichte Aufgabe. Seit 1930 ausgeschildert, führte uns der Wartburgpfad durch den Burgwald, die Knüll, das Stölzinger und Richelsdorfer Gebirge über Ringau und die Wartburg schließlich nach Eisenach. Erst seit 1989 ist der Weg über die Hohe Sonne und Wartburg wieder komplett befahrbar bzw. für die Wanderer begehbar. Bei unserem Start in Hatzfeld trafen wir den aus unserer Heimat stammenden Dekan Edgar Weigel. Er wünschte uns alles Gute für unsere Tour. Auf dem Wartburgpfad wurden wir von drei Gastradlern begleitet - Jörg, der jüngste von ihnen war so begeistert, dass er sich kurz darauf dem Team fest anschloss. 1995 war das Abfahren von markierten Wanderwegen mit dem Mountainbike noch ein schweres Vergehen. Die Wanderer wollten ihre Wege für sich und akzeptierten die Mountainbikes nicht. Wir hatten uns bei unserer Tour vorgenommen, für ein Miteinander und gegenseitiges Respektieren von Bikern und Wanderern Werbung zu machen. Nach vier Tagen erreichten wir ohne größere Unfälle oder Pannen unser Ziel Eisenach. Lag das vielleicht an den guten Wünschen von Dekan Weigel? Der eigentliche Höhepunkt der Tour war, da sind wir uns alle einig, die Fahrt bergab durch die oft sehr schmale Drachenschlucht am letzten Tag der Tour.

1996 - KAISER BARBAROSSA UND DIE RABEN

BARBAROSSAWEG

Wir fuhren auf uralten Höhenwegen wie die „strata regia" (15 n. Chr.), der Franzosenstraße und den „Langen Hessen", berichteten über den Goldabbau in Korbach, Heilwasserquellen in Frankenau, die Badestadt und Münzstätte Bad Wildungen sowie über die Kaiserstadt Fritzlar. Wir durchquerten den fruchtbaren Hessengau, machten Station in dem für ihr besonderes Klima bekannten Mühlhausen, dessen Oberstadt durch Barbarossa planmäßig ausgebaut wurde. Der Weg führte uns vorbei an vielen sagenumwobenen Burgen und dem ältesten deutschen Kloster östlich des Rheins. Mammutbäume, die schönste Erdfallquelle Thüringens, der schiefste Turm Deutschlands und schließlich die schönste Gipshöhle Europas, die Barbarossahöhle, begegneten uns bis zum Erreichen des Kyffhäuser-Denkmals. Wir statteten dem Kalibergwerk in Sondershausen einen Besuch ab und fassten dabei den Entschluss, nochmal vorbei zu kommen um dann mit den Bikes einzufahren. Begleitet vom hr Fernsehen bescherte uns dies dann 1997 einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde, als tiefste Radtour der Welt. 20 Jahre später, aus Anlass unseres 25-jährigen Bestehens wiederholten wir die Tour im Frühjahr 2017, natürlich wieder begleitet vom hr Fernsehen. Daraus entstanden ist die 45-minütige Reportage „Auf hessischen Spuren durch die Welt, 25 Jahre Hinterländer Mountainbiker“.

1998 - AUF DER STRADA PUBLICA VON SIEGEN ZUR AMÖNEBURG

BRABANTER STRASSE

Unser Ziel war es diesmal, einen sehr bedeutenden mittelalterlichen Handels- und Heeresweg mit all seinen größtenteils verfallenen oder verschollenen Burgen vorzustellen und für jedermann nachvollziehbar zu machen. Neben o.g. Bezeichnung wird diese Route oft als "Alte Siegener Hohe Straße", aber auch "strata publica" sowie "Urhessenweg" bezeichnet. Wir befinden uns in der Zeit von 1250 bis 1350, als hier im Grenzgebiet zwischen Hessen und Nassau die Dernbacher Fehde fast hundert Jahre lang tobte. Es begann mit einem Kleinkrieg zweier Rittergeschlechter und endete in gewaltsamen Auseinandersetzungen von hochpolitischer Bedeutung. Mehrere Wochen lang durchstöberten wir das Staatsarchiv sowie die Unibibliotheken in Marburg und Siegen. Neben dem Studium dieses Materials befragten wir alle geschichtsbewanderten Zeitgenossen. Und so komplettierten wir Mosaikstein für Mosaikstein diese seit 600 Jahren in Vergessenheit geratene Ost - Westverbindung von Brabant nach Leipzig, die sich auf gut erhaltenen Höhenwegen durch unsere Heimat schlängelt. Besonders intensiv erforschten wir den Abschnitt von Siegen bis zur Amöneburg, der gerade im Hinterland, aufgrund vorher genannter Fehde, durch außergewöhnlich viele Burgen gekennzeichnet ist. Mit einer der ersten Navigationsgeräte zeichneten wir die Route sowie die Positionen der Burgen auf und ließen einer Vectorenkarte erstellen. So wurde es erstmals möglich, zukünftig für jedermann ohne Karten und Wegemarkierungen "unseren" mittelalterlichen Weg nachzuvollziehen, und gleichzeitig sehr viel über die Geschichte am Rande des Weges zu erfahren. Damals waren wir uns sicher, dass diese Technik die Orientierung in Wald und Flur mittelfristig total verändern wird.

 
GPX Brabant 1
GPX Brabant 2
 
1999 - LANDGRAF PHILIPPS HEIMRITT - VON LÖWEN ZUM STAFFELBÖLL

LANDGRAF PHILIPP

1999 haben wir uns die Erforschung eines in Vergessenheit geratenen Heeres- und Handelsweges von Belgien über Holland, Köln, Siegen und Marburg nach Kassel, dem der hessische Landesherr bei seinem berühmten Heimritt aus Spanisch - Niederländischer Gefangenschaft folgte, vorgenommen. Landgraf Philipp war von 1547 bis 1552 in den spanischen Niederlanden im Kerker. Er wurde am 05.09.1552 in Löwen, im heutigen Belgien, von der Königin Maria auf freien Fuß gesetzt und ritt, begleitet von 300 Spanischen Reitern, zurück in seine Heimat Hessen. Am Staffelböll, bei Simmersbach betrat er erstmals wieder Hessischen Boden. Als die Idee zu diesem Projekt geboren wurde, war uns über den Streckenverlauf nicht mehr bekannt, als das oben Beschriebene. In 450 Jahren gerät vieles in Vergessenheit, und das bedeutet unzählige Stunden Arbeit, da wir großen Wert auf möglichst genaue Recherche legen. Erste genauere Hinweise fanden wir in einem Aufsatz in der Geschichtsbeilage der in Marburg erschienenen Oberhessischen Presse vom 24.September 1952. In einem Artikel von W. Görich mit dem Titel "Landgraf Philipps Heimritt" wird der Weg zwischen Köln und Marburg schon etwas genauer beschrieben. Von Köln in Richtung Belgien fehlte jedoch bis auf die Orte Löwen, Maastricht und Jülich jeglicher Hinweis. Durch das Studieren von Literatur, wie z.B. 300 Jahre alten Routenbüchern in lateinischer Schrift oder Handschriften im Marburger Staatsarchiv sowie alten Karten aus dem 16. und 17. Jahrhundert, kamen wir unserem Ziel schon wesentlich näher. Nicht zuletzt durch gute Kontakte zur Uni Marburg, zu Bibliotheque Royale zu Brüssel sowie durch die Unterstützung von Städten und Gemeinden und einiger Geschichtsvereine wurde unsere Arbeit wesentlich erleichtert. Der Weg führte uns von Löwen, wo wir am 26. April starteten, über St. Truiden und Tongeren in Belgien, Maastricht und Valkenburg in den Niederlanden nach Jülich in Deutschland. Wir folgten der Darstellung des Brüsseler Atlanten des Christian Grooten von 1573, die uns u.a. durch den Ort Steinstraß, also genau durch das heutige Tagebaugebiet von Rheinbraun führte. Wir erhielten eine Sondergenehmigung, dieses Gebiet in Begleitung des WDR-Fernsehens zu durchqueren, übrigens auch eine fahrtechnische Herausforderung. Denn sowohl der Ort Steinstraß, wie auch die historische Wegeführung sind in diesem Abschnitt der Kohle zum Opfer gefallen. Weiter ging es über Köln, Drabender Höhe und Denklingen im Bergischen Land nach Siegen. Mit 87 km stellt diese Route die kürzeste Verbindung von Siegen nach Köln dar, die es je gab. Von Siegen aus ging es über die Haincher Höhe zu unserem Ziel Staffelböll (Philippsbuche) bei Simmersbach, welches wir am 29.04. nach vier Tagen und 354km erreichten.

 
GPX Löwen Heerlen
GPX Heerlen Overath
GPX Overath Simmersbach
 
2000 - KAISER FRIEDRICH II - VON STRASSBURG NACH MARBURG

FRIEDRICH II

Für das Jahr 2000 haben wir uns die Erforschung der Nord-Süd Verbindung von Straßburg nach Marburg zur Zeit um 1236 vorgenommen. Kaiser Friedrich II reiste anlässlich der Umbettung der heiligen Elisabeth, entlang dieser Route. Auf den Spuren des letzten Staufer-Kaisers starteten wir 550 ahre nach dessen Tod in Begleitung des Hessischen Rundfunks (Hessenschau) am 17. April in Straßburg. Wie der Enkel Barbarossas, folgten wir der mittelalterlichen Verkehrsader über Hagenau, Weißenburg und Landau nach Speyer, wo der römisch-deutsche Kaiser am 16. April 1236 eintraf. Richtung Hofheim über Oberliederbach, Weisskirchen, Burgholzhausen, Butzbach, der alten Weinstraße folgend, erreichten wir über Gießen nach vier Tagen und über 400 km am 20. April unser Ziel Marburg. Dort weilte (wie übrigens über 1 Millionen weitere Pilger) am 1. Mai 1236 Friedrich II anlässlich der Erhebung der Gebeine der Heiligen Elisabeth, nur ein Jahr nach deren Heiligsprechung durch Papst Gregor den IX. Wie schon 1215 bei Karl dem Großen legte er bei diesem feierlichen Akt selbst Hand an.

2001 - MASKEN, BRANDWEIN UND PISTOLEN

POSTRAUB IN DER SUBACH

Als bekennende Hinterländer hatten wir uns für 2001 die Erforschung der Postraße zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Gießen über Gladenbach und Biedenkopf zum damaligen Verwaltungsmittelpunkt nach Battenberg, sowie den 20 km langen Weg der Posträuber vorgenommen. Bis 1823 war die Poststraße die Hauptverbindung ins Hinterland und führte in diesem Abschnitt auf schwierigem Gelände, teilweise auf mittelalterlichen Wegstrecken mit bis zu 14% Gefälle, durch das Kurfürstentum Hessen-Kassel, das Königreich Preußen, sowie das Großherzogtum Hessen Darmstadt. Am 19. Mai 1822 wurde in der Subach bei Gladenbach die Postkutsche von acht Hinterländern überfallen und beraubt. In der "armen Zeit" in der viele Hinterländer nach Amerika auswanderten, schmolz beispielsweise in Kombach die Bevölkerungszahl um mehr als 25%. Missernten, Armut und Verschuldung brachten immer mehr Bauern dazu, sich ihren Lebensunterhalt durch Wildern in den landesherrlichen Wäldern und Gewässern zu sichern. Um der Armut für immer ein Ende zu bereiten, entschlossen sich die neun Beteiligten zum Raubüberfall. Wie schon 1970 Volker Schlöndorff mit seinem gleichnamigen Film wollten wir dieses wichtige Stück Heimatgeschichte mit seinen Hintergründen über die Grenzen Hessens hinaus bekannt und für Jedermann er"fahrbar" machen.

2002 - AUF HANNIBALS SPUREN ÜBER DIE ALPEN

HANNIBAL

Im internationalen Jahr der Berge brachen wir in 2002 von Frankreich aus in der Gegend von Pontcharra - Montmelian zu unserer Tour auf Hannibals Spuren auf, um am 9.08. über die Alpen das Aostatal im italienischen Piemont zu erreichen. Fast ein Jahr Recherche liegt hinter uns, um der seit Jahrhunderten umstrittenen Route nach 2220 Jahren so genau wie möglich folgen zu können. Wir versetzen uns in die Zeit des zweiten Punischen Krieges (218-201. v.Chr.), als der Karthagische Feldherr sich aufmachte das römische Reich mit einer List zu erobern. Keiner konnte damit rechnen, dass es Hannibal, der schon als Neunjähriger geschworen hatte den Römern immer ein Feind zu sein, gelang, trotz großer Verluste (Dreiviertel seines Heeres blieb auf der Strecke) noch mit 26.000 Mann und über 6000 Pferden die Alpen zu überqueren. Böse Zungen behaupten übrigens, dass der als grausam geltende Führer nur mit Kannibalismus die Versorgung seines Heeres sicherstellen konnte. Ende Oktober brach er mit seinem Gefolge, zu dem auch 37 Kriegselefanten (Panzer der Antiken die teilweise aus Indien stammten) gehörten, auf, um in 9 Tagen die Passhöhe zu erreichen. Nach zwei Tagen Rast folgte der 3 tägige Abstieg, der nur unter großer Anstrengung bewältigt werden konnte. Um einen den Weg versperrenden Felsbrocken zu entfernen, wurden große Bäume gefällt, ein Holzstoß errichtet und angezündet. Der so erhitzte Fels wurde durch begießen mit Essig mürbegemacht, so dass der spröde Fels mit Eisenwerkzeugen gebrochen werden konnte. Nach 213km Alpenüberquerung und mit einer durchschnittlichen Marschleistung von 100 Stadien pro Tag (17,75 km) erreichte Hannibal Italien, das er anschließend 15 Jahre lang ungeschlagen verwüsten sollte. Antike Quellen halfen uns Dank der Überlieferung des römischen Historikers Livius und des Griechen Polybios, der noch Augenzeugen befragen konnte, der genauen Lokalisierung der historischen Route sehr nahe zu kommen. Wahrscheinlich scheint, dass sich Hannibal mit seinem Gefolge auf mindestens zwei verschiedenen Routen aufgeteilt hatte. Und hier ist besonders der Westalpenpass der Antike der Mont Genevre zu nennen, den schon 1897 der Forscher Fuchs mit dem Zweirad erkundete. Unterstützt wurden wir hierbei nicht nur von neuester Bike -Technik, sondern zum ersten Mal von serienreifer Satellitennavigation. Wir waren erstmals in der Lage, bereits vor unserer Tour die erforschte Route am Rechner eingeben zu können, um die Tagesetappen sowie Höhenprofile zu berechnen. Auf der Tour wurden wir dann von unseren Thales- Navigationsgeräten auf der historischen Route geführt, um diese für Jedermann aufzuzeichnen.

 
 
GPX Hannibal
 
 
2003 - BEUTEBELADENE SACHSEN UND KAMPFERPROBTE ALEMANNEN

DIE SCHLACHT BEI LAISA

Im Jahr 778 wurde die Gegend des heutigen Hinterlandes urkundlich zum ersten Mal erwähnt und rückte gleichzeitig in das Rampenlicht der deutschen Geschichte. Die schriftliche Überlieferung, Hinterländer Orte betreffend, beginnt mit einer Schlacht. Wir begaben uns auf den Spuren von beutebeladenen Sachsen und kampferprobten Alemannen, die um 778 im Hinterland aufeinandertrafen und sich wohl mehr als nur blutige Nasen holten. Eisenvorkommen und viele Waldschmieden machten das Gebiet interessant für die Sachsen, die Schlacht endete aber nicht siegreich. Die Sachsenscharen zogen von ihrem Verwüstungsfeldzug aus dem Neuwieder Becken Richtung der hessischen Grenzmarke, nachdem sie die Landschaft von Deutz bis Koblenz verwüstet hatten. Auf königlichen Befehl sollte unweit von Frankenberg eine Alemannen- und Frankenschar die vom Ederkopf über die Lützelstraße anrückenden Sachsen stellen, bevor diese von der Flanke her das Hinterland zu überrennen drohen und durch gründliches Verheeren zu einem solch öden Niemandsland zu machen, wie es 60 Jahre zuvor in Fulda Buchenland geschehen war. War es nur ein kleiner Sieg für die Alemannen- und Frankenschar rund um Biedenkopf, so war dies letztlich aber ein entscheidender Schritt für Karl den Großen und dessen Staatsgedanken. Bis heute trennt übrigens eine markante Sprachgrenze das Hinterland vom benachbarten Siegerland.

2004 - AUF DEN SPUREN DES HEILIGEN BONIFATIUS IN ENGLAND

DER HEILIGE BONIFATIUS

Nicht nur der sich zum 1250 zigsten Mal jährende Todestag dieser herausragenden Person des Frühmittelalters reizte uns, sondern ebenso der geschichtlich, nahtlose Übergang vom Projekt 2003. Die Verbindung zu unserer Heimat als Liebhaber der Gegend um Fulda, kombiniert mit seiner angelsächsischen Herkunft war für uns genauso interessant, wie das einzigartige authentische Material aus den umfangreichen Bonifatiuskorresponden. Dass wir dies noch mit einem Abstecher nach Stonehenge zum beeindruckenden Beispiel prähistorischer Astronomie kombinieren konnten, machte das Thema für uns unwiderstehlich. Zwar stehen wir persönlich, der von Bonifatius betriebenen Zwangsmissionen, wie auch der Einführung des Zölibates kritisch gegenüber, das soll aber nicht die großen Verdienste des Apostels der deutschen schmälern. Charismatisch und bisweilen Schroff wird der 1,90 Meter große Wegbereiter eines geeinten Europas beschrieben der neben seinem Organisationstalent und seiner Wissbegierigkeit vor allem eines mit uns gemeinsam hat. Wir forschen und er missionierte vom Sattel aus.

2006 - SCHURKEN WERDEN ZU LEBENSRETTER

CHINA

Im Jahr 2006 leben 6,5 Milliarden Menschen auf der Erde. 500 Millionen davon sind täglich mit ihren Rädern in China unterwegs. Da wollen wir mal mitmischen – mit unseren Rädern. Außerdem reizt es uns, das größte von Menschen geschaffene Bauwerk der Welt zu sehen – nur sehen? Nein, natürlich auch befahren. Aber das ist ja verboten. Was tun? Bestechen? Zu Schurken werden? Egal! Wie sagt man in China: „Wer nicht an der Großen Mauer war, ist kein ganzer Kerl.“ Wir sind nicht nur an, sondern mit unseren Bikes auch auf der steinernen Grenzbefestigung gewesen. Dazu später mehr. Es ist dann wohl auch eine Fügung des Schicksals für eine junge Chinesin, dass wir zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort auf der Chinesischen Mauer waren – legal oder illegal spielt dabei keine Rolle. Mithilfe eines Medikaments, das Uli stets dabei hat, überlebt die junge Frau einen allergischen Schock nach einem Bienenstich. Details später! Unsere erste Tour führt im September 2006 in das Reich der Mitte. Nur wenige Wochen nach dem Ende des Fußball-Sommermärchens, das mit dem dritten Platz der Klinsmann-Elf endet, erreichen wir nach einem zehnstündigen Nonstop-Flug von Frankfurt aus Peking. Dort reizt uns die Herausforderung, in einem für uns völlig fremden Land, Spuren ausgewanderter Hessen zu finden und zugleich unserer Mountainbike-Lust zu frönen. Eine Herausforderung dieser Reise ist das Gepäck: Es stellt uns vor logistische Probleme. Müssen wir doch schon allein unsere Fahrräder samt Ausrüstung unterbringen. China Air hat uns zwar für den Hinflug 30 Kilogramm Freigepäck pro Person zugesagt. Der Koffer samt Inhalt, bestehend aus Rad, Helm und Schuhen, ist schon schwerer. Das bedeutet: Unsere komplette Ausrüstung und Bekleidung muss sich auf die zulässigen 8 Kilogramm Handgepäck beschränken. Besser dran sind diejenigen von uns, deren Ehepartner mitkommen. Sie können das Gepäck bequem verteilen. Die HMB-China Reisegruppe besteht insgesamt aus 8 Personen, 6 Riesenkoffern (1,30 m lang, 0,95 m breit, 0,35 m hoch), viel zu viel Handgepäck – und Ekki, dem Kameramann vom Hessischen Rundfunk. Dessen Ausrüstung darf ja auch nur 30 Kilogramm wiegen. Weil die Koffer für die Waage am Flughafen zu groß sind, wird das Gewicht geschätzt: 30 Kilogramm – Glück gehabt! Das böse Erwachen folgt jedoch noch. Ob der Transport der schweren, sperrigen Koffer am Flughafen reibungslos funktioniert, ist nicht die einzige Frage, die uns bewegt: Ist der Transport ins Hotel organisiert? Können die Räder sicher im Hotel untergebracht werden? Es stellt sich schnell heraus, dass unser Reiseveranstalter Bavaria Fernreisen vom Beantragen der Visa über das Erteilen einer Genehmigung zum Befahren der Mauer bis hin zur Organisation vor Ort alles bestens organisiert hat. Für großes Aufsehen sorgt auch unser Konvoi: ein Kleinbus für uns, und zwei Lastwagen für die Räder. Nach einer Woche endet unser erstes Abenteuer, unsere erste Spurensuche auf einem anderen Kontinent. Die Eindrücke sind vielfältig, die Begegnungen gehen unter die Haut, und überhaupt – China und die Große Mauer. Wow! Der guten Laune vom gelungenen Pekingenten-Abschiedsbankett folgt beim Einchecken am Flughafen die Ernüchterung: Übergewicht! Nein, nicht wir, unsere Koffer sind viel zu schwer. Naiv, bedingt durch die problemlose Abfertigung in Frankfurt, stolpern wir in diese Falle. Unsere Koffer sind seitdem auch keineswegs leichter geworden. Im Gegenteil: Das ein oder andere Mitbringsel (auch schon mal aus Bronze) bringt zusätzliche Pfunde auf die Waage. Alles Diskutieren nutzt nichts, die Waage spricht eine eindeutige Sprache. Doch dank Ulis Einsatz und Verhandlungsgeschick reduziert sich die Nachzahlung auf ein einigermaßen erträgliches Maß.

2008 - WILDE HUNDEMEUTE UND GEFÄHRLICHE LKW-FAHRE

BRASILIEN

Barack Obama wird Präsident der USA, Sebastian Vettel gewinnt seinen ersten Formel- 1-Grand Prix, und Ben Hur-Darsteller Charlton Heston stirbt. Wir schreiben das Jahr 2008, und die Hinterländer Mountainbiker unternehmen ihre zweite Tour in die weite Welt. Das Ziel ist Brasilien. Die Idee entsteht in Treffen mit Reinhard Balzer, dem väterlichen Freund und Gönner der Biker. Überschrieben ist die Reise „Vom Konquistador bis zur Hinterländer Pfarrersfamilie – auf Hessischen/Hinterländer Spuren in Brasilien“. Hans Staden, ein Hesse, der schon Mitte des 16. Jahrhunderts Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes mit seiner 81-mal herausgegebenen „Wahrhaftigen Historia von den nackten, wilden Menschenfressern“ erlebt und geschrieben hat, macht uns neugierig. Sein Werk ist eine der unmittelbarsten und verlässlichsten Urkunden aus der Zeit der Landnahme Brasiliens. Der Vater des in Hessen geborenen und gestorbenen protestantischen Landsknechts und Büchsenschützen stammt aus Wetter in Hessen. Sein Buch ist eine der frühesten Geschichtsquellen vom fünftgrößten Land der Erde, damals „Land des heiligen Kreuzes“ genannt. Auch in diesem Buch genannte Wegbegleiter und Zeitgenossen motivieren die Biker zu dem Projekt. Da ist zum einen Heliondorus Hessus, der in Marburg studiert und am 1. März 1565 einer der Mitbegründer der zweiten Hauptstadt Brasiliens, Rio de Janeiro, wird. Oder der damalige Generalstatthalter der Staatshauptstadt Recife, Prinz Moritz von Nassau-Siegen, aus unserer Nachbarschaft Dillenburg. Wie ein Marschbefehl liest sich schließlich sein letzter Satz: „Sollte es irgendeinen jungen Mann geben, dem meine Beschreibung und die Zeugen nicht genügen, so mache er, damit er vom Zweifel befreit wird, mit Gottes Hilfe diese Reise selbst. Ich habe in diesem Buch genug Angaben gemacht.“ Und so machen wir uns im Oktober 2008 auf den Weg. Zunächst geht es in einem angenehmen elfstündigen Flug von Frankfurt nach Sao Paulo. Mit dabei ist auch wieder ein Kameramann, der seine Bewerbungsfahrt im hessischen Hinterland absolvieren muss – Arne Pollmann. In Sao Paulo empfängt uns Birgit Fouquet vom Staden Institut. Eine erste Besonderheit ist die Live-Schaltung von Sao Paulo zum Fest des Hinterländer Brauhauses. Da tobt der Mob. Und dieser tobt auch auf den Straßen von Sao Paulo. Einige Viertel können wir gar nicht betreten oder befahren, da sie zu gefährlich sind. Lkw-Fahrer hätten uns sehenden Auges totgefahren, wären wir nicht rechtzeitig ausgewichen. Schließlich werden wir auch noch von Hundemeuten verfolgt. In Brasilien absolvieren wir auch die schwerste Tagestour unserer bisherigen Karriere: Innerhalb von 90 Kilometern meistern wir 1.400 Höhenmeter – als Amateure. Insgesamt verbringen wir acht Tage in Brasilien und fahren vier große Touren. Unsere Stationen sind Sao Paulo und Porto Allegre, von Sao Paulo geht es schließlich wieder zurück nach Frankfurt. Die Reise nach Brasilien können wir in knappen Worten zusammenfassen: Herzlichkeit, Freundschaft, Lebensgefahr und tierische Begleiter. Und da sind ja auch noch die Nachkommen der Auswanderer aus dem Hunsrück, die uns mit den Worten begrüßen „Na, seid ihr mit em Luftschiff kämmt?“

2010 - DIEBISCHE PAVIANE, VERHAFTETE BIKER UND GEFUNDENE SCHÄTZE

NAMIBIA

Lena Meyer-Landrut gewinnt den Eurovision Song-Contest, Radsport-Idol Laurent Vignon stirbt, und der Vulkan Eyjafjallajökull in Island legt den Luftverkehr lahm. Davon betroffen ist unsere dritte große Reise aber nicht. Denn die führt uns nach Namibia, die frühere Kolonie Deutsch-Südwest in Afrika. Nicht nur die Wildnis hat es uns diesmal angetan. Nein, wie immer sind wir auch auf den Spuren deutsch-hessischer und auch Hinterländer Geschichte unterwegs. Begonnen hat die gemeinsame Historie, als 1486 der Portugiese Diogo Cao als erster Europäer namibischen Boden betritt. Als Navigator führt ihn ein schon zu damaligen Zeiten berühmter Deutscher: Der Nürnberger Kartograf Martin Behaim, der zwischen 1490 und 1493 einen Globus (Behaimschen Erdapfel) konstruiert, der heute als der älteste Globus der Welt gilt. Im September starten wir alle gemeinsam mit Reinhard Balzer sowie Kameramann Thomas Kaulich und seinem Cutter von Frankfurt nach Windhoek, das wir nach zehn Stunden Flug erreichen. Auf der Lodge von Stefan Hock aus Gießen ziehen wir für zehn Tage ein. Von diesem Basislager aus starten wir zu unseren abenteuerlichen Unternehmungen: Die aufregendsten Radkilometer unserer Geschichte erleben wir auf der größten Düne in der ältesten Wüste der Welt: „Big Daddy“. Auf 40 Prozent Gefälle geht es bergab. Wow! Und dann: „You are in big trouble“. Leider haben wir die Extrem-Fahrt nicht richtig angemeldet. Aber sei‘s drum. Und den Trouble haben wir auch in den Griff bekommen. In Namibia gilt es auch, die größten technischen Probleme zu bewältigen: von Dornen zerstochene Reifen sowie Ketten ohne Schmierung. Und da gibt es auch die diebischsten Paviane, die wir je gesehen haben – obwohl, es sind auch die ersten. Ganz besonders stolz sind wir darauf, dass wir während unserer Fahrten Hessisches/Hinterländer Blut in afrikanischer Erde gefunden haben: historische Grabsteine von Bürgern aus dem Hinterland – wahre Schätze. Und auch weitere geschichtliche Beziehungen haben wir dokumentiert.

2012 - DEUTSCHE GESCHICHTE IM LAND DES LÄCHELNS ERLEBEN

JAPAN

Bundespräsident Christian Wulff muss zurücktreten, Joachim Gauck wird sein Nachfolger. Der Bürgerkrieg in Syrien beginnt, und die Havarie des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia mit vielen Toten lässt Europa den Atem anhalten. Der erste Mensch auf dem Mond stirbt, und ein anderer springt mit dem Fallschirm aus der Stratosphäre. Felix Baumgartner bewältigt mit diesem Extrem-Stunt wohl die größte logistische Herausforderung. Ganz so hoch hinaus geht es bei unserem Japan-Trip nicht, aber die Organisation dieser zehn Tage im Land des Lächelns ist auch schon beachtlich. Uns wird wohl immer der heilige Berg Japans, der Mt. Fuji in Erinnerung bleiben. Natürlich wollen wir auch dort mit den Rädern fahren. Bis etwa 2600 Meter klappt das auch, dann ist jedoch Ende Gelände – der viele Schnee sagt Stopp zu den Bikes. Zu Fuß schaffen wir noch 500 Höhenmeter, dann wird es lebensgefährlich. Erst jetzt registrieren wir, in welch herrlicher Landschaft wir uns befinden. Der Blick ist atemberaubend, so etwas haben wir alle noch nicht gesehen. Übrigens: Unser Rad-Aufstieg wird von mitleidig lächelnden, bestens ausgerüsteten Bergsteigern beäugt, der Abstieg zu den Bikes erfolgt dann hessisch: auf dem Bobbes. Insgesamt neun Tage fahren wir Rad. Nagasaki, Osaka und Tokio stehen auf dem Programm. Da wir immer unsere eigene Ausrüstung samt Fahrrad mitnehmen, bedarf es einiger Besonderheiten. Das Fahrrad wird in einem speziellen Koffer sicher verstaut, der bei Flugreisen separat angemeldet werden muss. Federelemente müssen drucklos gemacht werden. Eine Rückwarenregelung mit dem Zoll stellt sicher, dass die Räder auch wieder nach Hause dürfen. Alles wird von zu Hause aus bis ins Detail geplant. Eine Abweichung vom Zeitplan von nur wenigen Stunden kann ein Scheitern des gesamten Projektes nach sich ziehen. Nach unzähligen E-Mails, Telefonaten und akribischer wochenlanger Abstimmung mit zahlreichen Dienstleistern in Japan steht der Zeitplan. In Japan liegt die logistische Herausforderung im Transport der Ausrüstung innerhalb des Landes. Die Orte liegen zum Teil so weit auseinander, dass diese nur mit Inlandsflügen und Bahnverbindungen (Shinkanzen) erreichbar sind. Womit wir in Japan überhaupt nicht gerechnet haben, ist die geringe Verbreitung der englischen Sprache außerhalb der Metropolen. Das erschwert die Abstimmungen vor Ort erheblich. Zudem ist alles sehr teuer: Ein Viertelliter Bier kostet acht Euro, fünf Cola umgerechnet mehr als 65 Euro. Neun Tage lang steuern wir nach einem anspruchsvollen Plan die verschiedenen Locations an, um uns mit interessanten Menschen zu treffen. Neun Tage, die für uns ein wohlverdienter Urlaub sind. Und natürlich auch ein Abenteuer, dessen Planung zwei Jahre einnimmt. Der Schlaf ist mager, der Körper bewegt sich oft am Rande der Möglichkeiten. Belohnung sind Eindrücke, die etwas ganz Besonderes sind und sich sehr lange im Gedächtnis einprägen. Schließlich haben wir das Land des Lächelns von Süden nach Norden durchquert – und dass mit ganz großem Gepäck und stets mit einem Lächeln auf den Lippen.

2014 - MIT LEGENDEN AUF TOUR UND EINEM RÄUBER AUF DER SPUR

USA - DIE NEUE WELT

„Mario, zeig der Welt, dass du besser bist als Messi!“ Und Götze zeigt es und schießt Deutschland zum vierten Stern. Das Jahr 2014 ist aber auch geprägt durch den Ausbruch des Ebola- Fiebers und den Tod von Maximilian Schell. Der Todestag von Karl dem Großen jährt sich zum 1200. Mal, und die Hinterländer Mountain-Biker begeben sich auf die Suche nach Geschichtlichem in den USA. Mit dabei: die Leica-Kamera, die den Absturz des Zeppelins „Hindenburg“ in Lakehurst überlebt hat. Auch in den USA ist für uns nicht primär die Anzahl der Kilometer, sondern zunehmend deren Qualität wichtig. Getrieben vom Geschichtshunger suchen wir nach deutschen, hessischen und wenn möglich auch Hinterländer Spuren und verbinden dies gezielt mit fahrradtechnischen Abenteuern. In den USA sind dabei: Harald Becker, Jörg Krug und Ulrich Weigel. In Tuscon/ Arizona stößt auch unser väterliche Freund und Besenwagenfahrer Reinhard Balzer dazu. Schon lange ist uns bekannt, dass deutsche Auswanderer nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der Vereinigten Staaten gehabt haben. Sie prägten durch ihre handwerklichen Fähigkeiten und ihren Fleiß Amerika entscheidend mit. Bei der Volkszählung im Jahre 2000 gaben rund 43 Millionen Amerikaner an, deutschstämmig zu sein; das waren damals etwa 15 Prozent der Gesamtbevölkerung. Auch zwei namhafte Präsidenten haben deutsche Vorfahren: Dwight D. Eisenhowers Vorfahren stammen aus Karlsbrunn im heutigen Saarland, und Herbert Hoovers Ahnen kommen aus der Pfalz. Aber diese bekannten und weitverbreiteten Fakten reizen uns nicht, bis wir bei unseren Recherchen auf einen Original-Brief aus Amerika vom 25. April 1845 stoßen. Der aus unserer Heimat stammende, und durch Volker Schlöndorffs Film bekanntgewordene Posträuber David Briehl flüchtet vor seiner bevorstehenden Hinrichtung nach Amerika. Er lässt sich in Saugerties, bei New York nieder, heiratet und baut sich ein Haus. Danach verliert sich jede Spur und das hat uns natürlich gereizt. Als wir dann noch einen Zeitungsartikel in der New Yorker Staatszeitung & Herold aus dem Jahre 1986 finden, steht fest, unser Projekt 2014 heißt: „Geschichte „er“fahren – Die neue Welt und auf den Spuren des Mountainbike-Sports unterwegs in Amerika“. Auch die Vorfahren des Schöpfers der Freiheitsstatue in New York stammen aus unserem Heimatort, der 800-Seelengemeinde Oberhörlen im hessischen Hinterland, und die Wiege des Mountainbike-Sports liegt in Amerika. Und schon geht’s los. Im Herbst fliegen wir von Frankfurt nach San Francisco. Nach einigen Tagen dort verschlägt es uns per Flugzeug nach New York. Insgesamt biken wir an acht Tagen auf den Spuren des Posträubers David Briehl und der Hindenburg-Leica. Abenteuerlich wird der Besuch an der Freiheitsstatue, und das größte Abenteuer ist der Downhill mit den Legenden Joe Breeze, Gary Fisher und Otis Guy. Besonders stolz sind wir darauf, dass unser HMB-Logo einen Platz in der Mountainbike-Hall-of-Fame in Fairfax/Kalifornien gefunden hat. Was wollen wir mehr. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten hat uns unbeschreibliche Eindrücke und Erlebnisse beschert. In knappe Worte gefasst: Golden Gate, Freiheitsstatue, Lakehurst, Legenden, Wilder Westen, Plattfüße en masse und Klapperschlangen am Wegesrand.

2019 - AUF DEN SPUREN DER WOLGADEUTSCHEN IN RUSSLAND UND KASACHSTAN

RUSSLAND

Nach einem ersten Anwerbeversuch durch Zar Peter den Großen, Anfang des 18. Jahrhunderts, schrieb die deutschstämmige Katharina die Große, die am 2. Mai 1729 als Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst in Stettin geboren wurde, am 22. Juli 1763 ihr Manifest. Damit ermöglichte sie tausenden deutschen Bauern die Ansiedlung in den Ebenen beiderseits der Wolga. Sie versprach den Siedlern Religionsfreiheit, Steuerfreiheit und das Verfügungsrecht über ihr Land. Daher der Name der Wolgadeutschen, die dem Angebot von 150 Rubel als Vorschuss unterstützt, in das versprochene Paradies folgten. Es waren ca. 100 Deutsche Siedlungen geplant, die später von bis zu 28.000 Wolgadeutschen bewohnt wurden. Über Lübeck folgten die Auswanderer aus der, durch den 7-jährigen Krieg ausgelösten Not, über Bornholm, den Finnischen Meerbusen nach Kronstadt. Dann ging es über Nowgorod weiter in den Süden teilweise entlang der Wolga (auch Mütterchen Wolga genannt). Hier wurden sie sesshaft, machten das Land fruchtbar und pflegten die deutsche Kultur. Diese Epoche endete jedoch im 2. Weltkrieg in 1941/2, als Stalin die Wolgadeutschen zwangsweise nach Kasachstan und Sibirien umsiedeln ließ. Bei unseren Recherchen fanden wir Namen von 75 Menschen, die Ende des 18. Jahrhunderts innerhalb von 6 Jahren aus dem Wetzlarer Raum, aus Marburg, Dahmshausen, Buchenau, Biedenkopf, Treisbach und Roth an die Wolga übersiedelten. Darunter waren die Vorfahren von Larissa Engels. Sie machten sich 1769 aus Staufenberg bei Gießen auf den Weg zur Wolga. Dort lebten sie in Saratow/Marxstadt, bevor sie in den 1930er Jahren nach einer Warnung nach Romanowka nahe Astana im Kaukasus flohen. Dort, wo es 1895 die erste deutsche Siedlung gab, wird heute noch Hessisch gesprochen. Es gab von deutschen Aussiedlern errichtete Fabriken und Schulen und eine deutschsprachige Zeitung „Der Friedensbote“. Im Jahr 1944 wurde die Familie Engels nach Kasachstan gebracht, kehrte nach rund 250 Jahren nach Hessen zurück. Larissa Engels lebt seit 1997 in Wetzlar. Die Spuren der Geschichte der Familie Engels ist einer der Haupthemen, derer wir in Russland und Kasachstan folgen.

2020 - VON TRENNENDEN GRENZEN ZU FESTEN VERBINDUNGEN

LANDGRAF PHILIPPS HEIMRITT

Die Hinterländer Mountainbiker auf historischem Heimweg nach Hessen. Wie bereits 1999 haben wir uns nach 21 Jahren noch einmal eine Etappe der hessischen Heimatgeschichte vorgenommen, die einst unserem Bundesland europäische Dimension brachte – und uns hier und heute einende Kraft verleihen kann: Vom 27-29 August 2020 biken wir auf annähernd dem Weg, den Landgraf Philipp der Großmütige anno 1552 aus der Gefangenschaft heim nach Hessen nahm. Seit 1547 in den spanischen Niederlanden im Kerker, wurde der Landgraf am 05.09.1552 in Löwen auf freien Fuß gesetzt und ritt, begleitet von 300 spanischen Reitern, zurück in seine Heimat. Am Staffelböll bei Simmersbach betrat er erstmals wieder den Boden seines Hessenlandes. Zur Erinnerung an die Heimkehr des Landgrafen wurde die Philippsbuche dort gepflanzt, die heute noch das Wappen der Simmersbacher ziert.

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Heimritt Philipp klein
 
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